ES GEHT VOR ALLEM UM GUTACHTEN: FÜNF ANTRÄGE DER GEFREESER BÜRGERINITIATIVE “HOHE REUTH” HABEN DEN STADTRAT BESCHÄFTIGT. DIESER WILL IN DEN MEISTEN PUNKTEN NOCH ABWARTEN.

 

Gefrees – Mit gleich fünf Anträgen der Bürgerinitiative “Hohe Reuth” hat sich der Gefreeser Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung beschäftigt. Dabei geht es um die geplante Wiederaufnahme des Granitabbaus auf der Hohen Reuth durch die Firma Braun aus Tröstau im Fichtelgebirge, dem Inhaber der Steinbrüche. Die BI befürchtet schädliche Auswirkungen auf die Stadt, ihre Bürger, die Natur und auf Grund- und Trinkwasser. Bürgermeister Harald Schlegel erläuterte die Anträge, über die ausgiebig diskutiert wurde. Die öffentliche Sitzung verfolgten auch zahlreiche Mitglieder der BI und Johannes Braun vom Steinbruchunternehmen.

Antrag 1: Die BI fordert, dass für das Abbauvorhaben eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchgeführt wird, in engem Schulterschluss mit dem Bund Naturschutz. Deren Ortsgruppe sei bereits informiert. Der Granitabbau würde einen tiefen Einschnitt in die Natur und in die Trinkwassersicherheit darstellen. Außerdem brächte er erhebliche Immissionen und Emissionen mit sich, die die Lebensqualität der Gefreeser Bürger deutlich einschränken würden. Die BI weist in ihrem Antrag auch auf die Störfallverordnung hin, in der die Betreiberpflichten geregelt seien.

Bürgermeister Schlegel sagte dazu, dass er am Sitzungstag noch mit dem Bergamt sowie der Firma Braun gesprochen habe. Das Bergamt habe den Rahmenbetriebsplan geprüft und sei zunächst zu dem Entschluss gekommen, dass keine UVP notwendig sei. Mittlerweile habe es sich aber eine neue Meinung gebildet: Es seien doch Gutachten notwendig.

“Wir wollen hier nicht spekulieren”, sagte Schlegel. Das Bergamt hat sich mit den Fakten nochmals auseinandergesetzt und wird diese nochmals bewerten. Die Gutachten muss der Abbaubetreiber beibringen.” Wenn die Stadt dies übernehmen würde, wäre dies “relativ bedenklich”, außerdem würde es der Stadt hohe Kosten bescheren. Der Bürgermeister schlug vor: “Wir warten ab, bis die Fakten auf dem Tisch liegen, dann können wir sie bewerten, akzeptieren oder ablehnen und dagegen vorgehen. Vorpreschen bringt hier nichts.”


Antrag 2:
Hier verlangt die BI ein hydrologisches Gutachten, um auszuschließen, dass die Trinkwasserversorgung der Stadt Gefrees durch den Abbau beeinträchtig wird. Der Bürgermeister erklärte, dass dies schon in der vorletzten Sitzung beantragt worden sei.

Antrag 3: Die BI fordert ein Gutachten zur Dichtigkeit der früheren Mülldeponie, die direkt an den ehemaligen Steinbruch Haberstumpf grenzt. Nach Angaben des Betreibers würden die Abbauarbeiten direkt neben der Deponie stattfinden. Beim Gutachten aus dem Jahr 2015 sei der Faktor “Sprengung” nicht mit einbezogen worden, dieser beziehe sich nur auf die ältere, darunter liegende Mülldeponie der Stadt.

Schlegel erklärte, die Deponie sei bis 2002 ordentlich betrieben worden und sei deshalb auch nicht im Altlastenkataster. Die untere Deponie sei untersucht worden: Hier handle es sich um die einstige Mülldeponie der ehemals selbstständigen Gemeinde Metzlersreuth. Es seien keine gefährlichen Stoffe gefunden worden.

Antrag 4: Darin wird ein Gutachten aus naturschutzrechtlicher Hinsicht zu den Vorkommen von Tieren und Pflanzen im Großbereich der Hohen Reuth gefordert. Auch hier sei man schon in der vorletzten Sitzung aktiv gewesen, erklärte der Bürgermeister.

Antrag 5: Die BI will ein Informations-Banner zur Thematik Hohe Reuth im Bereich der Stadthalle aufstellen. Es hat eine Größe von etwa einem mal drei Meter. Doris Benker-Roth forderte, dass das Banner zunächst dem Stadtrat vorgelegt werden sollte, bevor man die Aufstellung genehmigt. Stadtrat Bernd Nelkel erklärte, dass der Inhalt des Banners seit einer Woche bekannt sei und auf Facebook bereits zu sehen sei. Stephan Zeißler äußerte Bedenken dagegen, dass es für ein halbes oder Dreivierteljahr an der Stadthalle stationiert würde. Dort sollten ja auch Plakate für Veranstaltungen Platz finden. Zeißler schlug verschiedene private und städtische Standorte im Stadtgebiet vor. Bernd Nelkel bestätigte, das Banner könnte in einem sechswöchigen Turnus an verschiedenen Plätzen aufgestellt werden.

Schließlich beschloss der Stadtrat einstimmig, dass über die Punkte 1 bis 4 erst dann abgestimmt wird, wenn das Anhörungsverfahren abgeschlossen ist. Bei Punkt 5 folgten die Räte dem Vorschlag Zeißlers und Nelkels. Das Banner wird zunächst für sechs Wochen an der Stadthalle aufgestellt. Danach entscheiden die BI und die Verwaltung über die jeweils weiteren Standorte.

Die BI erklärte im Gespräch mit der Frankenpost, dass sie auch die Zahl von 40 Lastwagenladungen, die täglich abgebaut werden sollen, anzweifelt. In anderen Steinbrüchen werde fast im Minutentakt ein Lastwagen beladen. Die Lebensqualität der nächsten Anlieger, die nur 480 und 520 Meter vom Steinbruch entfernt wohnten, würden durch die Sprengungen stark beeinträchtigt. Lastwagen, die in Richtung Autobahn fahren, müssten durch ganz Gefrees und wären für viele Bürger eine Belastung. Weiter erklärten die Mitglieder, dass die BI zwei eigene Gutachter der Uni Bayreuth gewonnen habe, die die Gutachten des Betreibers überprüfen werden.